FIFA: Augen zu und durch

Sepp Blatter ist erst mal weg. Das Fußballgeschäft läuft jedoch unbeirrbar weiter – und damit auch der Betrieb der FIFA. Geführt wird der Weltverband von einem Kameruner: Issa Hayatou. Doch wer ist dieser Mann?

Der 3. Dezember 2015 sollte für die FIFA eigentlich ein guter Tag werden. Ein Reformpaket, viel frischer Wind, neues Vertrauen. Doch ausgerechnet der neue „starke“ Mann wollte nicht so recht mitspielen. Schon während seiner eigenen, siebenminütigen Rede wirkte Issa Hayatou abwesend, schaute fast nie ins Publikum, sprach seltsam monoton. Kurze Zeit später, als FIFA-Reformer François Carrard über die Umstrukturierungen referierte, war es um Hayatou geschehen. Der 69-Jährige schlief ein. Ein Zeichen mit Symbolkraft des aktuellen FIFA-Präsidenten.

Issa Hayatou wurde 1946 in Kamerun geboren. Der Sohn eines lokalen Sultans war erfolgreicher Leichtathlet über 400 und 800 Meter, Basketball-Nationalspieler und während des Studiums zum Sportlehrer in der Fußballmannschaft seiner Universität aktiv. Seine Familie spielte schon immer eine gewichtige Rolle in der kamerunischen Gesellschaft. Sein Bruder Sadou war Anfang der Neunziger sogar Premierminister des Landes.

Auch Issa hat sein politisches Geschick früh erkannt, mit nur 28 Jahren wurde er Generalsekretär des kamerunischen Fußballverbandes, 1986 wurde er dessen Präsident. Es ging weiter steil nach oben: 1988 erklomm Hayatou den Thron des afrikanischen Verbandes CAF, zwei Jahre später wurde er ins FIFA-Exekutivkomitee gewählt und nach zwei weiteren Jahren saß er im Präsidium des Weltverbandes. Seit 2001 ist er sogar Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Als nun dienstältester Vizepräsident der FIFA rückte Hayatou Anfang Oktober automatisch auf den Posten des Präsidenten, nachdem der „ewige Herrscher“ Sepp Blatter zunächst suspendiert und kurz vor Weihnachten für acht Jahre gesperrt wurde.

Der neue Regent will schon nicht mehr

Issa Hayatou scheint nach dieser gradlinigen Funktionärskarriere am Ziel angekommen zu sein. Schon einmal hatte er versucht, an die Spitze der FIFA zu gelangen. 2002 forderte der Kameruner Sepp Blatter heraus, wurde sogar durch die UEFA und ihren damaligen Präsidenten Lennart Johansson unterstützt. Doch Blatter gewann mit 139:56 Stimmen. Nun gibt sich Hayatou deutlich zurückhaltender: Er stehe „nur interimsweise“ für das Amt zur Verfügung und wird beim außerordentlichen Wahlkongress am 26. Februar „nicht als Kandidat zur Verfügung stehen“.

Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Eine Erklärung wäre die angeschlagene Gesundheit. Schon lange leidet Hayatou an einer Niereninsuffizienz, unterzog sich während seiner Amtszeit im November eine Transplantation. Ein weiterer, womöglich schwerwiegenderer Grund: auch Hayatou gilt in FIFA-Kreisen als Skandalnudel.

2011 kassierte Hayatou vom IOC einen Verweis. Er soll 1995 vom inzwischen aufgelösten Schweizer Sportrechtevermittler ISL rund 25.000 Euro Schmiergeld erhalten haben. Dafür sind die Fernsehrechte für Fußball-Weltmeisterschaften an die ISL gegangen. Hayatou selbst gab an, dass er von dieser „Schenkung“ eine Feier zum 40-jährigen Jubiläum seines Afrika-Verbandes bezahlt habe. Den damaligen Schmiergeldboten Jean-Marie Weber beschäftigt Hayatou noch immer als Berater für den CAF.

 

Die FIFA tangiert dieser Vorgang nicht. Bei der Generalversammlung des CAF im vergangenen April wurde Sepp Blatter von einem ARD-Reporter auf den Vorgang angesprochen. Die Reaktion des Ex-Präsidenten: „Das ist eine absolut ekelhafte Erklärung von Ihnen. Ich weise das zurück und werde nicht darauf eingehen. Es tut mir leid. Ich spreche hier über Solidarität und ich spreche über Fairplay.“

25.000 Euro? Spielgeld!

Noch schwerer wiegen Vorwürfe von Sunday Times und ARD, ebenfalls aus dem Jahr 2011: Hayatou und sein FIFA-Kumpel Jacques Anouma sollen ein Jahr zuvor erneut Schmiergeld kassiert haben. Diesmal aus Katar und diesmal so richtig: von 1,5 Millionen US-Dollar ist die Rede. Es geht um die erfolgreiche Bewerbung des Emirats für die Weltmeisterschaft 2022 und es soll Zeugen geben.

Auch hier wurden weder Exekutivkomitee noch Ethikkommission der FIFA tätig. Wie Hayatou selbst verschließt der Verband die Augen vor den hausgemachten Problemen. So wird der Übergang von Blatter zum neuen ordentlichen Präsidenten von einem Statthalter gebildet, der genau wie sein Vorgänger sinnbildlich für die ganze Malaise der FIFA steht.

Hayatou selbst sieht das nicht so. Angesprochen auf die Frage, ob er korrupt sei, brachte er den wohl besten Witz des vergangenen Jahres: „Wäre ich korrupt, wäre ich nicht bei der FIFA.“

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